Wie die IT zum Klimaschutz beitragen kann

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Klimaschutz in der IT

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind heute in aller Munde. Dass Hersteller von Waffen, Atomkraft, fossilen Brennstoffen, Agrogentechnik oder Tabak hier nachbessern müssen, versteht sich von selbst. Weniger offensichtlich ist, dass auch Branchen wie die IT die Umwelt stark belasten. So verursacht etwa das Internet so viele Emissionen wie der gesamte weltweite Flugverkehr in der Vorcoronazeit. Damit ist das World Wide Web die größte kohlebetriebene Maschine der Welt. Wer möglichst effiziente Lösungen finden will, um den Verbrauch der eigenen IT zu senken, muss sowohl die Auswirkungen als auch die möglichen Lösungen kennen.

Die Coronakrise hat vor allem einen Trend befeuert: Remote Work. Die Pandemie hat die Arbeit im Homeoffice salonfähig gemacht, und es gibt wohl kaum ein Unternehmen, in dem nicht Videomeetings an die Stelle realer Treffen getreten sind. Die Liste der Anbieter entsprechender Programme ist lang und die Software leicht zu bedienen, sodass dieser Trend uneingeschränkt zu bejahen ist. Oder etwa nicht? Klar ist, dass Videokonferenzen Dienstreisen und Arbeitswege ersparen und somit allein schon deshalb der Umwelt zugute kommen. Und trotzdem verbrauchen auch sie extrem viele Ressourcen – insbesondere dann, wenn sich die Teilnehmer per Video zuschalten, wie eine Studie zeigt, die im Fachblatt „Resources, Conservation and Recycling“ erschienen ist. Dieser Umstand ist dem höheren Stromverbrauch geschuldet, der sich durch das Zuschalten des Bildes ergibt. Bei 15 Meetings von einer Stunde pro Woche ergibt sich der Erhebung zufolge ein monatlicher CO2-Ausstoß von 9,4 Kilogramm, während der Wert mit ausgeschalteter Bildübertragung auf 377 Gramm sinkt. Wer nicht ganz darauf verzichten möchte, einen virtuellen Blick auf seine Geschäftspartner, Kollegen oder Mitarbeiter zu werfen, sollte zumindest darüber nachdenken, die Qualität der Übertragung runterzuschrauben. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt, um den Energieverbauch möglichst ressourcensparend zu gestalten, besteht natürlich darin, auf grüne Energien zu setzten, wie dieses Beispiel eindrücklich zeigt.

Mit dem „Blauen Engel“ gibt es seit dem Jahr 2021 zudem ein Gütesiegel für ressourcen- und energieeffiziente Software, an dem man sich orientieren kann. Zu den Kriterien, die eine Software als nachhaltig einstufen, zählt unter anderem die Ressourcenaufwendung – also die Beantwortung der Frage, wieviel Energie die Software benötigt, um auf dem Rechner zu laufen. Zudem bewertet das Siegel, wieviel Energie oder wie viele Daten mit externen Servern ausgetauscht werden. Gleichzeitig werden auch Aspekte wie die Kompatibilität der Software mit älteren Geräten unter die Lupe genommen. Dass es wenig nachhaltig ist, eine Software zu implementieren, die bei jedem Update einen neuen PC erfordert, weil Grafikkarte oder CPU des alten Rechners nicht genug leisten, versteht sich an dieser Stelle von selbst. Auch bei der Hardware selbst gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern, die bei der Produktion der Geräte auf nachhaltige Ressourcen, einen geringen Energieverbrauch und recycelte Materialien setzen. Im Zweifel lohnt es sich immer, beim Hersteller nachzuhaken, wie es um die Nachhaltigkeit bestellt ist – das sorgt nicht zuletzt dafür, dass der Markt die steigende Relevanz des Themas erkennt.

Generell gilt beim Thema Nachhaltigkeit in der IT das gleiche wie immer, wenn es um Veränderungsprozesse geht: Es ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Keine Branche kann von heute auf morgen nachhaltig werden, vor allen Dingen nicht die IT, da dieses Umfeld wie kein anderes von komplexen und globalen Entscheidungen bestimmt wird. Führungskräfte sollten sich aber vor Augen führen, dass die Digitalisierung auch in Sachen Nachhaltigkeit große Chancen bietet, man aber nicht blind „drauf los“ digitalisieren darf, wenn man einen unnötigen Energie- und Ressourcenverbrauch vermeiden möchte.

Mathias Hess

Über den Autor
Seit rund einem Vierteljahrhundert ist Mathias Hess in der digitalen Welt unterwegs – in nationalen mittelständischen Unternehmen und in internationalen Großkonzernen, als CIO und IT-Leiter sowie in verantwortlichen Management-Positionen bei IT-Service-Providern. Er kennt alles, was das moderne IT-Umfeld beim Thema Digitalisierung als Chancen, aber auch an Risiken zu bieten hat. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Projektmanagement, sowohl mit der Einführung neuer Anwendungen und Prozesse (ITIL) als auch in der Umsetzung von Outsourcing-Projekten und komplexen Offshore-Leistungen.

Weitere Informationen unter www.mathias-hess.com.

Bild: @larisabirta /unplash