Eine ethische Bank – Macht das wirklich Sinn?

Die ethische Bank ist im Trend. Aber können Banken ethisch sein? Ehrlich gesagt ich sehe das kritisch. Und ja, ich habe als Unternehmer wirklich keine schlechten Erfahrungen mit Banken gemacht. Im Gegenteil.

Also warum bin ich an der Stelle nachdenklich. Banken möchten am Ende des Tages Sicherheiten. Banken ziehen am Ende des Tage die Bürgschaft, derer die unterschrieben haben. Zerstören letztlich durchaus Existenzen. Die jeweilige Sonderabteilung regelt das. Der Bankberater, der das Unternehmen jahrelang begleitet hat, ist nicht mehr zuständig. Diese Abteilung pfändet Eigentum und auch Gehalt. Man gibt dem Unternehmer in guten Zeiten einen Regenschirm und wenn es regnet, zieht man ihn weg. Ist das ethisch oder sozial? Nein, ist es nicht.

Ich meine auch ethische Banken denken so. Eine von mir mit dem ETHIK SOCIETY Signet ausgezeichnetes Unternehmen versuchte einen Gründungskredit bei der GLS Bank in München zu bekommen. Das Unternehmen, durch und durch nachhaltig aufgestellt. Kaschmir aus der Mongolei. Die Bauern dort sind froh nicht an Chinesen verkaufen zu müssen, sondern jemand gefunden haben, der ihr Produkt wertschätzt und komplett nachhaltig vermarktet und verkauft. Zugeben Kaschmir ist ein Luxusgut. Aber warum sollen Menschen, die mehr Geld auf dem Konto haben sich keine nachhaltigen Produkte im höheren Preissegment kaufen dürfen?

Genau das war aber am Telefon die Aussage des GLS-Beraters. Wer kauft sich denn solche hochpreisigen Produkte. Er könne sich das nicht leisten. Das war‘s. Kein Beratungstermin. Nachhaltigkeit war kein Aspekt. Luxus das KO-Kriterium. Schade eigentlich.

Eine mögliche Lösung wäre, dass Banken eventuell Beteiligungen eingehen und nicht nur ihr Geld mit Geld verleihen verdienen. Also konkret in unternehmerische Verantwortung gehen. Sich nicht nur Kredite mit Sicherheiten und Bürgschaften absichern lassen und sondern aktiv in das Risiko gehen.

Allerdings: Ethische Banken machen Sinn. Keine Frage. Sie gehen einen neuen Weg, der gut ist und Sichtweisen verändern. Es lohnt hier, genau hinzuschauen. Als Unternehmer ist das Zweitkonto, neben seiner Hausbank, durchaus sinnvoll.

Eine Übersicht ethischer Banken

Ethikbank
Die EthikBank gehört der Volksbank Eisenberg eG. Die Bank ersteht sich als ethisch-ökologische Direktbank. Die EthikBank fördert je ein Ethik-, Frauen- und Umweltprojekt. Auch die EthikBank-Kunden können diese Projekte durch die Wahl eines Förderkontos unterstützen. Die Schwerpunkte einer Finanzierung liegen in den Bereichen ökologisch und sozial sinnvoller Maßnahmen wie zum Beispiel erneuerbare Energien und Elektromobilität. www.ethik-bank.de

GLS Bank
Die GLS Bank ist eine Genossenschaftsbank. Mit zielgerichteten sozialen und ökologischen Investitionen und konsequenter Transparenz bietet sie ihren Kunden nachhaltige Bankdienstleistungen. Sie finanziert „nur solche Unternehmen und Projekte, die Entwicklungschancen für unsere und für zukünftige Generationen erhalten oder schaffen.“ Die Schwerpunkte einer Finanzierung liegen den Bereichen Energie, Wohnen, Bildung, Ernährung, Soziales, nachhaltige Wirtschaft. www.gls.de

Steyler Bank
Die Steyler Bank ist die älteste ethische Bank in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 ist die Steyler Bank ein wirklicher Gegenentwurf zur primär profitorientierten Bankenwelt. Die Gewinne der Bank fließen nicht in die Taschen von Aktionären, sondern werden direkt an die Hilfsprojekte der Steyler Ordensleute weiter. www.steyler-bank.de

Triodos Bank
Die Triodos Bank wurde 1980 auf Initiative der niederländischen Triodos-Stiftung gegründet. Die Triodos Bank finanziert ausschließlich Unternehmen, Institutionen und Projekte, die „einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen.“ Die Schwerpunkte einer Finanzierung liegen in den Bereichen erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, Sozialwirtschaft sowie Herstellung nachhaltiger Produkte und der Handel mit nachhaltigen Produkten. www.triodos.de/de

Umweltbank
Die UmweltBank verbindet nach eigenen Aussagen „erfolgreiches und professionelles Bankmanagement mit ökologischer und sozialer Verantwortung“. Die Schwerpunkte einer Finanzierung liegen in den Bereichen Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, Blockheizkraftwerke, Niedrigenergiebauweise, umweltfreundliche Produktion, Kreislaufwirtschaft, ökologische Landwirtschaft und Recycling. www.umweltbank.de

2 KOMMENTARE

  1. Lieber Jürgen,

    schön das Thema mal in Mittelpunkt zu stellen. Fand nur den Übergang von Deiner Regenschirmbetrachtung zur GLS Bank unpassend, da diese ja nichts entzogen hat, sondern etwas grundsätzlich abgelehnt hat. Dafür hat sie gute Gründe… die zudem die Genossenschaftsmitglieder gemeinsam über Jahrzehnte ausformuliert gaben.

    Morgen findet um 19.30Uhr im Ev.Gemeindehaus im Beutelsbach übrigens ein Vortrag zu “Schmutzige Geschäfte – wie unsere Banken auch Geld verdienen” statt. Agnes Dieckmann von “urgewald e.V.” wird sprechen. Weitere Gründe wohl, JA zum Wechsel zu sagen.
    Grüße

    • Hallo Markus,

      Nun der Regenschirm war dazu da klar zu machen, dass Banken am Ende Banken bleiben und Sicherheiten möchten und diese auch ziehen – Ethische Bank hin oder her.

      Und ja ich bin der Meinung, dass Unternehmen die sogenannte Luxusgüter produzieren/vertreiben, sofern Sie nachhaltig sind, von ethischen Banken unterstützt werden sollten. Jedenfalls sollte der Bankberater*in sich die Zeit nehmen ein persönliches Gespräch zu führen um die Philosophie der Bank zu erklären. So viel Zeit muss sein!

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