Vom Abfall inspiriert. Unternehmen zu helfen, Ökonomie und Ökologie zu vereinbaren das haben sich die GlobalFlow GmbH und die albfertil GmbH zum Ziel gesetzt.

Unternehmen legen ihren Fokus häufig nur auf die Optimierung und Verbesserung der eigenen Produktionsprozesse. Dabei wird immer wieder das enorme Potential der entstehenden Abfälle vernachlässigt. Genau auf diesen, oft scheinbar überflüssigen „Müll“ von unterschiedlichsten Unternehmen hat sich die GlobalFlow GmbH spezialisiert. Die Geschäftsidee dazu entwickelte Nadine Antic bereits während ihrer Studienzeit. Inzwischen ist daraus eine junge, dynamische Firma entstanden. Mit maßgeschneiderten Beratungsdienstleistungen hilft und berät die GlobalFlow GmbH Unternehmen aller Branchen dabei, Abfälle zu vermeiden, Umweltauswirkungen zu senken und Kosten einzusparen. Dass die Idee von Beginn an großes Potenzial hatte, zeigen mehrere Gründer- und Ideenpreise, die die Gründerin mit ihrem Start-up gewinnen konnten. So wurde sie unter anderem im Jahr 2013 mit dem Darboven Idee-Förderpreis ausgezeichnet und belegten Platz zwei beim Gründerpreis Baden‑Württemberg. „Unser Ziel ist es, Ökonomie und Ökologie mehr in Einklang zu bringen. Wir helfen unseren Kunden dabei, nachhaltiger zu werden und gleichzeitig einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen“, erklärt Nadine Antic.

Wormanizer - Firmensignet
Wormanizer

Inzwischen haben viele kleine und große Unternehmen, darunter Melitta, Ritter Sport oder MAN, die Leistung der GlobalFlow GmbH in Anspruch genommen. Sie erzielen teilweise enorme Einsparungen, in dem sie Abfälle vermeiden oder in den Wertstoffkreislauf zurückführen. „Fast jeder Abfall oder Reststoff lässt sich in irgendeiner Weise durch Umwandlung oder Veredlung weiterverwerten“, weiß Nadine Antic. In der Zentrale in Korntal bei Stuttgart arbeiten derzeit zwölf Mitarbeiter daran, die Konzepte und Prozesse dafür zu erstellen und jeden Tag ein Stückchen weiter zu optimieren. Dank der guten Auftragslage wird das GlobalFlow-Team stetig größer. Zudem wurde das Angebotsportfolio erweitert. So werden nun auch Entsorgungsaudits durchgeführt, bei Werksneugründungen Beratung angeboten oder Ressourcenstrategien für Unternehmen ausgearbeitet.

Bei der Erarbeitung von Lösungen für die lebensmittelverarbeitende Industrie stand das junge Unternehmen vor ungefähr drei Jahren immer wieder vor dem Problem, dass biologische Abfälle bisher kompliziert entsorgt und oft sogar verbrannt wurden. Hieraus entwickelte sich die Idee der albfertil GmbH, die Unternehmen den Abfall abnimmt und mit Hilfe von Würmern zu einem hochwertigen und somit verkaufsfähigen Produkt weiterverwertet: dem Naturdünger WORMANIZER, der sich aus den englischen Begriffen „worms“ für „Würmer“ und „fertilizer“ für „Dünger“ zusammensetzt. Der provokante Name und die auffällige Verpackung machen das nachhaltige, ökologische „Upcycling“-Produkt einzigartig und attraktiv. Es wird bewusst auf die Stärken und Fähigkeiten natürlich produzierter Produkte hingewiesen. Der WORMANIZER zielt darauf ab, Kunden für wichtige Umweltthemen zu sensibilisieren. Zur Umsetzung der Idee gründeten Nadine Antic, Anne Antic und Sven Hofstadler im Jahr 2015 die albfertil GmbH. „Im Vorfeld gab es viele Fragen zu klären“, erinnert sich Nadine Antic: Mit welcher Technik wird das Produkt produziert? Wie verändern sich die Nährstoffverhältnisse der Ausgangssubstrate bei der Umwandlung? Wie lange dauert die Produktion und in welchem Ausmaß ist sie möglich?

Die Macher: Vom Abfall inspiriert
Die Macher: Nadine Antic, Sven Hofstadler, Anne Kathrin Antic

Inzwischen sind die ersten Einheiten des WORMANIZERs produziert, verpackt und verkauft. Erhältlich ist der Naturdünger WORMANIZER aktuell in den drei Sorten „Universaldünger“, „Rosendünger“ und „Chillidünger“. Nach einer Kompostierung der Abfälle entsteht durch die Verarbeitung mit spezialisierten Kompostwürmern (Eisenia fetida) ein hochwertiger Naturdünger. Durch die vom Wurm ausgebildeten Ton‑Humus‑Komplexe weist das Produkt einzigartige Merkmale auf: Nach einer Düngung ist die Pflanze optimal mit Nährstoffen versorgt und die Bodeneigenschaften verbessern sich. So kann der Boden beispielsweise Wasser länger speichern und die Nährstoffe sind vor Auswaschung geschützt. Gleichzeitig bildet sich eine gesunde mikrobielle Aktivität im Untergrund. Langfristig wird der Boden verbessert, denn er ist vor Erosion geschützt und kann von allein weiteren Humus akkumulieren.

Der Dünger ist organisch, trocken, bröselig und geruchsneutral – ähnlich einer Blumenerde, aber mit hochkonzentrierten Nährstoffen. Eine Überdüngung ist dabei so gut wie unmöglich, da die Pflanze nur Nährelemente aufnimmt und aus den Komplexen löst, wenn sie diese benötigt. Es gibt fast keine Pflanze, die den WORMANIZER-Dünger ablehnt, denn er ist ein reines Naturprodukt und in geringeren Konzentrationen in allen Böden vorhanden, wo sich Würmer aufhalten. Anwenden lässt sich der WORMANIZER überall: in Zimmern, in Gewächshäusern und auch outdoor.

Durch die konstante Qualität der Inputsubstrate wie Kaffeereste, Pferdemist oder Rübenabfälle kann der Nährstoffgehalt des Endprodukts in der Produktion genau gesteuert werden. So kann der Dünger also exakt auf die Bedürfnisse einer Pflanzenart abgestimmt werden, denn nicht jede Pflanze benötigt dasselbe Verhältnis aus Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium. Die Rezepturen des Produkts fallen zwar unter das Betriebsgeheimnis des Unternehmens; die korrekten Werte und die Wirksamkeit werden aber trotzdem regelmäßig von Botanikern und Bodenkundlern bestätigt. 60.000 Becher wurden bereits produziert. Nach einigen Umstrukturierungen befinden sich im Moment mehrere neue Wurmkisten, in denen die Würmer ihrer Arbeit nachgehen, in der Nähe von Sindelfingen im Aufbau.

Bei der Herstellung des WORMANIZERs entstehen keinerlei Emissionen. Pestizide oder andere Chemikalien kommen nicht zum Einsatz, sodass der Dünger für Mensch und Tier ungefährlich ist. Somit kann er auch für den Anbau von Bioprodukten genutzt werden, denn der WORMANIZER ist vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) dafür zertifiziert. Im Vergleich zu Kunstdüngern oder Mineralischen Düngern, die teilweise hohe Uranwerte aufweisen, ist der WORMANIZER völlig ungefährlich. Die Ausgangsmaterialien fallen allesamt in Süddeutschland an und werden dort regional verarbeitet und wieder vertrieben.

Das Produkt soll in Zukunft auch in anderen Varianten erhältlich sein. So arbeiten die Mitarbeiter der albfertil GmbH gerade an der Entwicklung einer neuen umweltschonenden und biologisch abbaubaren Verpackung. Gleichzeitig können auch Großkunden wie Bauern, Sportvereine oder Weinbauern, die große Düngermengen benötigen, ihre speziellen Wünsche äußern. Für diese Kunden wird der Dünger individuell auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt produziert und als Schüttgut ausgeliefert. „Aber keine Angst, im Produkt sind selbstverständlich keine Würmer mehr“, betont Geschäftsführerin und Gründerin Nadine Antic. Die braucht das Unternehmen ja selbst –sie verbleiben in den Kisten, in denen sie sich wohlfühlen. „Mit der Verwendung des WORMANIZERs erhält die Natur ein Stück von sich selbst wieder schonend zurück. Der Kreis ist geschlossen und die Abfälle werden nicht mehr verbrannt“, fügt die Unternehmerin hinzu.

Nadine Antic ist Gründerin der GlobalFlow GmbH, die Unternehmen umfangreich in Entsorgungs- und Nachhaltigkeitsfragen berät, sowie des Start-ups albfertil GmbH. Weitere Informationen unter http://global-flow.jimdo.com/ und http://www.wormanizer.de/.


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